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Wie dein Zuhause auch in der Krise funktioniert.

 

Je länger wir uns zuhause aufhalten – unabhängig davon, ob wir das wollen oder nicht -, desto wichtiger ist es, dass wir uns dort pudelwohl fühlen.
Doch sehr wahrscheinlich ist dein Zuhause nicht dafür konzipiert, dass du dich alleine oder als Familie fast 24 Stunden dort aufhältst. All die Dinge, für die du normalerweise mehrere Gebäude nutzen darfst, erledigst du nun von zuhause aus. Viele arbeiten im Home-Office – Fitnessstudios, Cafés, Museen sind tabu.

Schule, Arbeit, Freizeit, gemeinsame Zeit, Ruhezeit, Rückzug alles findet jetzt konzentriert an einem Ort, nämlich deinem Zuhause statt. Wer jetzt keinen Garten oder Balkon hat, dessen Aufenthaltsraum ist noch stärker eingeschränkt. Was für eine räumliche Herausforderung!

Hier erfährst du, wie du dein Zuhause zum Mehrzweck-Reich verwandelst.

Wie einfach das ist, haben meine Kindern mir die letzten Tage gezeigt.

Sie haben die Herausforderung sehr schnell angenommen und es sich „gemütlich“ gemacht! Während der eine sein „Fitness-Studio“ mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Möbeln, Terraband und Isomatte einrichten konnte, hat der andere – nerdig zwischen Socken, Heften… – sein „IT-Büro“ eröffnet.

Gemeinsam spielen sie Federball im Wohn-Esszimmer und Tischtennis auf dem Esstisch.

Ach ja, die Küche ist zum Zentrum der Experimentierfreude geworden. Die Kinder kochen was das Zeug hält. Ich muss zugeben, so komplizierte Gerichte und Kuchen habe ich noch nie bereitet. Popcorn schießt aus der Pfanne in alle Ecken, die Spinat-Tortellini ließen sich an den Küchenfronten nicht verbergen. Die schwarzen Töpfe entdecke ich erst abends in der Spüle.

Ihren Musikunterricht bekommen sie online und den Rest des Tages benötigen Sie für den Login bei MEBIS, um ihre Aufgaben für die Schule auch noch zu erledigen. Und wenn ihnen die Decke auf den Kopf fällt, ziehen sie sich ihre Inliner an und fahren eine große Runde.

Diese Lebensumstellung erfolgte sehr schnell. Sie haben die Krise samt Haus in die Hand genommen. Cool, daran kann man sich ein Beispiel nehmen.

 

Wie lange brauchen wir dagegen, bis wir endlich Dinge ändern, die der Situation, in der wir leben überhaupt nicht mehr entsprechen. Vielleicht ist die Krise ein guter Zeitpunkt, ein paar Dinge Zuhause zu überarbeiten.

In der Extremlage lässt sich schnell feststellen, ob euer Zuhause krisentauglich ist. Bei der derzeitigen Extrem-Nutzung zeigt sich, wie gut eure Räume funktionieren. Während ihr vorher ausweichen, euch davon ablenken konntet, gelingt das jetzt nicht so leicht.

Also nutzt die Chance zum Beobachten, zum Optimieren und passt euer Zuhause an, damit es seinen tatsächlichen Zweck erfüllt und euch gut tut. Es gibt hier kein RICHTIG oder FALSCH. Nur die Frage, „Hilft es mir weiter oder nicht?“.

Kommen da etwa Zweifel auf, weil alles halt so ist wie es ist?

Nicht verzweifeln, wir zeigen euch in nächster Zeit, wie einfach und schnell sich Räume zum Wohlfühlen verändern lassen.

Wir fangen an mit ganz einfachen praktischen Tipps, die euer Leben gerade jetzt erleichtern. Es folgen anschließend gestalterische Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten.

 

Doch bevor du anfängst zu räumen und in Aktionismus zu verfallen, beantworte für dich die folgenden 2 Fragen.

 

Frage 1
Was nervt mich am derzeitigen Wohnungszustand?

 

Grundsätzlich ist es zunächst wichtig herauszufinden, was dich überhaupt stört, was nervt? Du möchtest schließlich an der richtigen Schraube drehen.

Zum Beispiel könnte(n)…

ein geeigneter Rückzugsort fehlen.
zu wenig Platz für Home-office, Essen, Wohnen, Spielen vorhanden sein.
die Wohnung duster und bedrückend wirken.
es schwer sein, Ordnung zu halten.
es keinen Platz geben, der dich wirklich entspannen lässt.
keine schönen Blicke nach draußen vorhanden sein.
die Nachbarn sind zu laut sein oder umgekehrt du für die deine Nachbarn zu laut sein.
eine schöne/harmonische/gemütliche Atmosphäre fehlen.
deine Räume wahnsinnig klein und erdrückend sein.

 

Gehen wir’s an und suchen nach Lösungen, die deine 4 Wänden besser nutzbar machen.

Und damit meine ich noch nicht unbedingt stylisch, denn das hilft derzeit kaum. Wenn die Grundlage der Räume nicht stimmt, weil sie nicht auf Krise ausgerichtet sind, dann reicht es nich sie nur hübsch zu machen.

Natürlich sollst du dich dennoch richtig wohl fühlen! Das wirst du dann, wenn dein Leben zuhause alleine oder zusammen so funktioniert, wie du dir das vorstellst. Wie also stellst du dir dein Zuhause vor.

So stelle dir die zweite Frage, damit du weißt was du dir vorstellst.

 

 

Frage 2
Was brauche ich, um mich räumlich wohl zu fühlen?

 

Die Antworten können ganz unterschiedlich ausfallen. Vielleicht hast du schon ganz spezifische Vorstellungen vom „Wohlfühlen“ und davon, was für dich funktioniert.
Was könnte es sein, dass dir ein angenehmes Zuhause gibt?

Rückzugsort
Bewegungsmöglichkeit
Ordnung
Design, Kunst
Funktionalität
Grün, Pflanzen
Gute Internetverbindung
Leseecke
Helle Räume
Erinnerungsstücke
Besondere Materialien
Vorhänge…

Die Bedürfnisse können vielfältig sein. Wichtig ist nur, dass du dir diesbezüglich ein Bewusstsein aufbaust. Nutze deine Vorstellung für deinen persönlichen Gestaltungs-Rahmen. Es wird dir so wesentlich leichter fallen, konkrete Entscheidungen zu treffen.
Es wird allderings eine gewisse Zeit brauchen, bist du dir darüber klar bist, was es genau ist, was du brauchst.

 

 

Pragmatische Lösungen gegen die Krise in der Wohnung

 

Nachdem es so brisant ist, konzentrieren wir uns erst einmal auf schnelle und leicht umsetzbare pragmatische Lösungen, bevor wir uns in folgenden Posts darum kümmern, wie du allgemein dein Zuhause schöner werden lässt.

Packt an und räumt mit uns um. Deine Räume müssen sich jetzt der momentanen Lage anpassen.

 

Du braucht einen eigenen definierten Arbeitsbereich

Dein Home-Office wird geboren. Stell um und improvisiere. Ziel ist, dass jeder von euch seinen eigenen definierten Arbeitsplatz hat, wo er auch seine Arbeitsutensilien liegen lassen kann. Denn ständig hin und her zu räumen nervt.

Vermeidet, alle an einem Tisch zu arbeiten, das lenkt zu sehr ab. Es gibt auch andere Möglichkeiten als der gemeinsame Esstisch. Schafft euch neue Plätze in der Wohnung.

Nutzt alle Räume und Tische, die ihr habt. Der Esstisch könnte jetzt der Ort sein, wo ihr euch bewusst trefft.

Falls ihr Bretter oder Platten habt, lassen sich daraus schnell Tische kreieren.
Verteilt nach Möglichkeit die Arbeitsplätze in unterschiedliche Zimmer. Seid großzügig, auch ein Kinderzimmer kann kurzfristig weichen und ein Arbeitszimmer werden.
Manche Flure sind so breit, dass sich hier ein Tisch stellen lässt.
Nutzt Nischen, wenn vorhanden. Sogar ein Bad ist als Arbeitsplatz denkbar. (Aber nicht im Klo einsperren und nicht mehr herauskommen!)

Seid also kreativ und unkonventionell.

Da fällt mir ein, das Bügelbrett eignet sich hervorragend als Tisch. Etwas schmal, dafür ideal in der Höhe anpassbar!

Was du auch immer findest, wichtig ist, dass der Bereich als Arbeitsplatz erkennbar ist. Kommuniziert untereinander, wem welcher Platz gehört, und der ist dann tabu für die anderen.

Mit ganz einfachen Mitteln könnt ihr Bereiche kennzeichnen.
Optische Trennungen durch Regale, Tücher, Spanische Wände….
Auch ein Teppich definiert einen Platz.

Es geht aber nicht nur um physischen Raum, sondern auch um Zeiträume. Ihr dürft jetzt noch stärker für euch klären, was ihr wann und mit wem macht. Strukturiert euren Tag, definiert eure Arbeits- und Freizeit, eure beruflichen und privaten Tagesziele und das bestenfalls schon am Vortag oder für die Woche.

Ihr werdet sehen, das erleichtert euren Alltag ungemein. Entscheidungen, Kommunikation und das Setzen von Grenzen wird so wesentlich leichter.

 

Ruhe & Konzentration

Zur Arbeit braucht ihr Ruhe und Konzentration. Niemand arbeitet effizient, wenn er ständig unterbrochen wird oder permanentem Lärm ausgesetzt ist. Das kennt ihr sicher schon aus eurem Arbeitsleben.

Zuhause ist das nicht anders, und dafür musst du selbst sorgen.
Daher ist es natürlich ideal, wenn du einen geschlossenen Arbeitsraum für dich gefunden hast, in dem du unbekümmert arbeiten kannst. Selbst wenn das nur das größere Bad ist.

Kinderbetreuung und Arbeit zugleich ist natürlich eine besondere Herausforderung, insbesondere wenn deine Kinder noch klein sind.

Mit Zeitangaben wie, „in einer Stunde habe ich Zeit für dich“, können Kinder nichts anfangen, weil sie noch keine Zeitvorstellung haben. Aber sie verstehen durchaus, das Klingeln eines Weckers, also „bis der Wecker klingelt“, „bis der Zeiger bei xy ist“… Sei kreativ und gebe ihnen eine Vorstellung und Perspektive, wann du für sie Zeit hast.
Und wenn die Kinder schon älter sind? Dann helfe ihnen, ihren eigenen Tagesplan und Ziele aufzustellen. Mit Fahrplan tun auch sie sich leichter.

Ruhe & Konzentration brauchst du nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Entspannen. Überlege, wo dein persönlicher Rückzugsort sein soll. Kopfhörer können dich natürlich auch kurzzeitig weg beamen und dich von der Außenwelt abschirmen.
Genauso tut dies ein Spaziergang. Außenraum ist nach wie vor für dich da, raff dich auf und nutze ihn für dich.

 

Verwandle Räume in Mehrzweckräume

Räume lassen sich schnell Umnutzen. Du brauchst nicht das Fitnessstudio, um Sport zu treiben, zu tanzen…

Ein Wohnzimmer oder ein Esszimmer lässt sich schnell zum Mini-Tanzsaal oder zur „Sporthalle“ umbauen. Der Esstisch darf auch zur Tischtennisplatte mutieren. Stühle könnt ihr als Fitnessgeräte nutzen oder als Quasi-Netz für Federball. Wie schon geschrieben, Kinder sind hier sehr kreativ, sei es auch.
Alles was zu Bruch gehen kann, muss nun einfach für gewisse Zeit verschwinden. Ein super Anlass, auszumisten oder sich von ungeliebten Gegenständen zu verabschieden.

Und wenn’s dann nicht mehr so schön aussieht? Egal, „in Schönheit gestorben“ ist keine gute Strategie. Ist ja nur eine Zwischenlösung! Hauptsache niemand bekommt einen Koller zuhause.

So, nun darfst du loslegen und wenn du Fragen hast, dann melde dich.

Und wenn du uns deine kreativen Lösungen zeigen willst, dann sind wir gespannt.

 

Beste Grüße
Maritta Ivanov

mi@marittaivanov.de
www.marittaivanov.de