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Wie geht Bauen nach dem „Cradle to Cradle“ Prinzip?

 

„Bauen für eine Zukunft“ das klingt ja gerade so, als ob das etwas Neues sei.
 Die Absicht, sich mit einem Haus die Zukunft zu sichern, ist aber alles andere als neu. Wir sehen heute noch solide geplante und „für die Ewigkeit“ errichtete Altbauten.
Und immer noch dienen sie uns als Orte des Schutzes und zur materiellen Sicherheit.
Wer heute baut, will dasselbe. Und dennoch hat sich unsere Perspektive durchaus verändert. Zu unserer persönlichen Zukunft gehört mehr:

ein gesundes Umfeld,
der Umweltschutz und
die Berücksichtigung der nachfolgenden Generationen.


Das gehört heute zum „Bauen für eine Zukunft“, und das geht weit über den individuellen Sicherheitsgedanken und das persönliche Schutzbedürfnis hinaus.
Es stellt sich also die Frage “Wie können wir Menschen auch noch in Zukunft auf dieser Welt gut leben?“

Wer heute baut, möchte das nachhaltig und verantwortlich tun. Es sollen Häuser entstehen, die sich auch später noch nutzen und flexibel umbauen lassen, ohne dabei jede Menge Sondermüll zu produzieren.

Das klingt toll – doch so einfach und selbstverständlich – wie es vielleicht sein sollte – ist es nicht nicht:
Die überwiegende Mehrheit der Häuser, die heutzutage neu gebaut werden, verbrauchen endgültig wertvolle Rohstoffe und produzieren schon auf der Baustelle außerordentlich viel Müll. Werden diese Häuser später einmal abgerissen, bestehen sie aus einem hohen Anteil an Sondermüll.

Vielleicht habt ihr schon einmal die vielen Dämmplatten aus Polystyrol auf Baustellen gesehen. Allein ihre Folien-Verpackung liefert jede Menge Abfall schon während der Bauphase, und später einmal sind sie nicht mehr zu verwenden, es entstehen also Müllberge.

Kein Wunder also, dass das Bauwesen in Deutschland für mehr als 50% des Müllaufkommens verantwortlich ist.
Wenn wir weiterhin mit Materialien bauen, die nicht nachwachsen und diese beispielsweise so verkleben, dass sie später unbrauchbar sind, dann handeln wir trotz oft hocheffizienter Bauweise so, als ob uns die Ressourcen endlos zur Verfügung stünden.

Das Prinzip das dahinter steckt ist „gewinnen, verarbeiten, nutzen, wegwerfen“ und wird deshalb auch „Cradle to Grave-Prinzip“ genannt, also von der Wiege (Gewinnen) bis zum Grab (Wegwerfen).

Ein Grab verheißt aber nicht gerade eine lebendige Zukunft .
Und dennoch tickt so unsere Wirtschaft und die Materialproduktion. Deshalb ist es auch gar nicht so leicht als Bauherr, Planer oder Ausführende Firma, diesem System zu entkommen, selbst wenn man für eine Zukunft bauen möchte.

Zum Glück gibt es aber schon Umdenker / Querdenker, die es uns allmählich ermöglichen, eine 180 Grad Wende zu nehmen. Der deutsche Chemiker und Professor Michael Braungart und der amerikanische Architekten William McDonough haben schon in den 90er Jahren das „Cradle to Cradle-Prinzip“ entwickelt – also von der Wiege zur Wiege im Sinne eines Kreislaufs.

Nach fast 30 Jahren, jetzt wo der Klimawandel spürbar ankommt, findet das Prinzip zunehmend Beachtung.
Bei diesem Prinzip geht es darum, nicht nur weniger sondern tatsächlich keinerlei Abfall zu produzieren und dadurch eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Das bedeutet ganz konkret, Produkte zu entwickeln und zu nutzen, die Mensch und Umwelt zu 100% guttun und die Lebensqualität erhöhen.

Die Natur macht uns das auf ganz wunderbare Weise vor:
Ein Baum produziert zur Fortpflanzung tausende von Blüten und reichlich Früchte, und doch bringt er dadurch nur wenige Setzlinge hervor. Rein wirtschaftlich betrachtet produziert der Baum also verschwenderisch Samen und produziert gleichzeitig viel „Abfall“ wie Blüten, Früchte und Laub. Das erscheint zunächst völlig ineffizient, ist dann aber im Naturkreislauf äußerst effektiv. Denn der „Abfall“ des Baumes nutzt Vögeln, Bienen und Boden als Nahrung und ist deren Lebensgrundlage. In diesem System entsteht somit kein schädlicher Müll.

So ist die Vision von der Cradle to Cradle Bewegung:

„Häuser wie Bäume und Städte wie Wälder“

Dass das nicht nur eine Vision ist, zeigen Produkte, die nach dem C2C – Prinzip u.a. auch für die Bauwirtschaft hergestellt und zertifiziert sind. Diese Materialien sind so konzipiert, dass sie nach ihrem Gebrauch kompostiert oder problemlos wiederverwendet werden können.

Das Prinzip setzt also schon beim Produktdesign ein und schafft einen Kreislauf über Herstellung, Nutzung, Rücknahme und Wiederverwertung.
Immer mehr deutsche Hersteller schaffen Produktlinien nach dem C2C – Prinzip.

Zu finden sind insbesondere Bodenbeläge, wie Parkett, Teppichböden, Elastische Beläge, aber auch Dämmmaterial aus Holz, Bauplatten, Fensterprofile, Elektro-Schaltersysteme, Wandfarben usw..

Diese zukunftsträchtige Idee fordert allerdings ein enormes Umdenken bei den Produkt-Herstellern aber auch bei den Bauherren, Planern und ausführenden Firmen.

Es wird noch Zeit und auch Mut benötigen, bis diese Idee völlig selbstverständlich ist und als solche auch umgesetzt wird.

Schrittweise ist aber ein Umdenken möglich und auch schon erkennbar. Das lässt sich daran erkennen, dass die Produktpalette der zertifizierten Produkte stetig wächst.
Und damit kann jeder Einzelne zu dieser Entwicklung einen wertvollen Beitrag leisten.
Allein schon, wenn wir die Qualität der Baumaterialien hinterfragen, erhöht sich das Materialbewusstsein bei den Herstellern und bei den Verbrauchern.

Wie ist ein Material zusammengesetzt?
Lässt es sich in wiederverwertbare Einzelteile zerlegen?
Wie hoch ist der Herstellungs- und Entsorgungsaufwand?

Kritische Fragen helfen uns, gerade unzertifizierte Materialien zu beurteilen.

Dabei werden wir immer wieder feststellen, dass derzeit nicht alles wirklich nachhaltig ist, was uns als solches verkauft wird.

Es ist leider auch so, dass die innovativen und umweltverträglichen Produkte meist noch 10 -20 % treurer sind als konventionelle.

Und selbst wenn die finanzielle Seite kein Hindernis darstellt, dann braucht man Handwerker, die einem das gewählte Produkt auch verarbeiten. Denn die Firmen arbeiten mit ihren eingespielten Zulieferern zusammen und haben ihre Produktkenntinsse und Prozesse darauf eingestellt. Diese etablierten Prozesse ändert kein Unternehmer gerne.
Hier braucht es also von allen Seiten Interesse und Offenheit.

Der Weg für eine Zukunft ist daher zwar noch etwas holprig, aber in gewissermaßen schon möglich.

Wenn wir uns heute daher kritisch und ganz bewusst für mehr Nachhaltigkeit und Wohlbefinden entscheiden, schaffen wir gute Voraussetzungen für eine gesunde und sichere Zukunft – für uns selbst und die nachfolgenden Generationen.

Viel Freude beim Entdecken neuer Materialien!

Und wer sich noch mehr mit dem C2C-Prinzip beschäftigen möchte, kann das unter:

www.c2c-ev.de

 

Beste Grüße
Maritta Ivanov von mi.architektur

mi@marittaivanov.de
www.marittaivanov.de